Dieter Otto Berschinski

Nachtbild ( Öl/Lwd. , 1994 )
Geboren wurde Dieter Otto Berschinski 1941 in Bokellen (Ostpreußen). Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und der Städelschule Frankfurt am Main und war Meisterschüler von Professor Johannes Schreiter. 1981 gewann er den Dr.-Reinhold-Kurth-Kunstpreis und 1991 den Agricola-Preis der Stadt Glauchau sowie den Preis der Masaryk’s Academy of Art Prag. Seit 1992 arbeitet Berschinski als freischaffender Künstler in Aßlar-Werdorf.
Dieter Otto Berschinski arbeitet zumeist in zwei  künstlerischen Techniken, die sich befruchten und ergänzen: der Malerei in Acryl- und Ölfarbe und dem vielfarbigen Holzschnitt. Was beide Techniken verbindet, ist der Reliefcharakter seiner Blätter und Bilder, wobei in seiner Malerei ein mehrfacher Schichtenbau von Farbe deutlich dem Grund verpflichtet ist, obwohl er die Farben kräftig pastos aufsetzt, vergleichbar einem Hochrelief. Die Wirkung seiner Holzschnitte verdankt dem Flachrelief ihre Entstehung. Er gräbt Zeichen in Zeilen und Reihen in das Holz ein. Trotz verschiedenen farbigen Überdruckens der unterschiedlichen Zustände der Platten auf Papier schimmern, bewusst gesteuert, die unteren Schichten hervor und halten die Verbindung zur raumlosen Fläche. In den Ölbildern tritt uns die Farbe entgegen, in die Holzschnitte dringt das Auge ein. Hervortreten und Eindringen sind – wie Einatmen und Ausatmen – Teile desselben Vorgangs seiner lebendigen Auseinandersetzung mit Malerei.
Die tanzenden Farbstriche, die schwebenden Lasuren strahlen voll Gelöstheit, Heiterkeit und innerer Dynamik, wie ein nicht enden wollender Choral in einem unerschöpflichen Energiekreis, sprengen das Format über das Blatt und das Bildmaß hinaus. Diese Energie und Dynamik wirkt ohne Tempo, Zeitablauf, Schnelligkeit, was seine Kunst grundsätzlich von Actionpainting, Informel oder Farbdripping unterscheidet. Er gestaltet großzügig und entschlossen, aber nicht wild. Der intelligente Bau seiner Bilder verhindert eine völlige Entgrenzung, eine mechanische Beliebigkeit, ein unendliches Muster ins Nirgendwo. Jedes Bild, jeder Druck, besitzt eigenen Charakter, eigene Stimmung, Struktur, innere Spannung und Haltung. Die Simultanität der Anteile und Zeichen sind Ausdruck von Gegenwartsempfinden. Auch der Dialog zwischen Idee, Emotion, Abstraktion und Wirklichkeit, dem Heute und dem Vergangenen, schaffen in seinen Arbeiten eine große Dichte.